Corona-Krise als Chance

Corona-Krise als Chance

Normalerweise erzählen viele Autoren davon, wie sie ursprünglich zum Schreiben kamen. Sie schreiben dann von prägenden Erlebnissen in der Kindheit, Erinnerungen oder Geschichten, die unbedingt aufgeschrieben werden müssen. So eine Geschichte könnte ich euch heute auch erzählen. Wenn ich aber ganz ehrlich bin, hat mein Leben als Autorin, als echte Autorin, aber erst vor gerade einmal drei Monaten begonnen. Mitte März, als die Krise über Deutschland hereinbrach, alles im Lockdown eingefroren wurde und das Leben, wie wir es kannten, plötzlich stillstand.

Der einschneidende Tag war der 24. März 2020. Erst einmal ein ganz normaler Arbeitstag. Scherze mit Kollegen und die wichtigste Frage des Tages: Was gibts mittag? Doch dann kam die Email vom Chef. Ein wichtiges Meeting, alle vom Team müssen anwesend sein. Das war irgendwie eigenartig, niemand wusste was los war. Da wir ein paar Wochen vorher unseren Großkunden verloren hatten, bekam jeder bei dem Gedanken an das Meeting Bauchschmerzen. Gerüchte machten die Runde und die fröhliche Stimmung war vorbei. Auf einmal hatten wir Angst, um unsere Arbeit und um unsere Existenz, aber auch um unser mittlerweile eng zusammengewachsenes und gut funktionierendes Team. Ich musste mich der Frage stellen: Was wenn ich jetzt gleich arbeitslos bin? Was mache ich dann?

Die Stunde bis zu dem Meeting dehnte sich in die Unendlichkeit. Doch die Antwort auf die Frage nach dem “Was dann?” hatte ich sofort gefunden. Schreiben!

Tatsächlich hatte ich schon ein paar Wochen zuvor ein einschneidendes Erlebnis. Vielleicht war es Schicksal, oder es schwelte schon so lange in mir, dass es nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet hatte, um hervorzubrechen. Auf jeden Fall stand ich nur wenige Wochen vorher mit einer Freundin vor meiner nicht ganz unbeachtlichen Fantasy-Buch-Sammlung und diskutierte einige meiner Lieblingsbücher. Es war toll, mal mit jemandem über dieses Thema sprechen zu können. Es finden sich in meinem Freundeskreis nicht viele Fantasynerds. Wie so oft schon kam irgendwann der Punkt in dem Gespräch, an dem ich die Karten auf den Tisch legen musste. Normalerweise erzähle ich nicht viel über mein Autorendasein, auch nicht vor Freunden. Bisher habe ich es nur für mich getan, für meinen Mann und für eine kleine handverlesene Gruppe an Menschen, die nicht rechtzeitig fliehen konnte. Doch ich kam in dem Gespräch mit meiner Freundin zu dem Moment, an dem ich ihr sagen konnte, dass ich Fantasy-Romane schreibe. Aber ich zögerte. Tat ich das wirklich noch immer? An diesem Tag waren es fast drei Jahre, seit ich zum letzten Mal etwas geschrieben hatte …

Das Gespräch brachte mich zum nachdenken. War ich überhaupt noch Autorin? Wäre es nicht eine Lüge das zu behaupten, wo ich mein aktuelles Projekt so sehr vernachlässigte? Manchmal sind es die Dinge, die man wirklich liebt, die man als ersten vor sich her schiebt. Dafür habe ich später Zeit. Ich will das genießen, der richtige Moment muss dafür erst wieder kommen, usw. Doch das Schreiben war immer schon wie ein Boomerang in meinem Leben. Ich kam immer wieder darauf zurück. Und schon als Kind und Teenager habe ich genau gewusst: Nur wenn ich schreibe, geht es mir wirklich gut.

Also fand ich die Antwort auf “Was dann?”, oder sie fand mich. Der Moment, als mir klar wurde, dass mir vielleicht gleich die Chance geschenkt wurde, meiner Leidenschaft wieder mit Herz und Seele nachzugehen, ließ mich zittern. Ich fühlte mich fiebrig, und anstelle von Angst, empfand ich nur noch freudige Erregung.

Das Meeting kam. Wir wurden nicht gefeuert, noch nicht. Es ging in die Kurzarbeit. Meine Kollegen standen um mich herum. Alle mit, verständlicherweise, langen Gesichtern. Wut und Furcht in den Augen. Ich schäme mich ein bisschen dafür, aber in dem Moment als unser Chef das Wort Kurzarbeit aussprach, war es als würde mir ein ganzer Eimer Serotonin über den Kopf geschüttet. Ich musste mir ein breites Grinsen verkneifen. Schreiben. Endlich.

Das tat ich dann auch. Zwei wundervolle Monate lang. 16 Stunden am Tag. Mein Computer war die einzige Gesellschaft, die ich brauchte. Während die Krise über Deutschland hinwegfegte, verbrachte ich die vielleicht beste Zeit meines Lebens und beendete den ersten, zweiten, dritten, Xten Entwurf meines Romans.

Nach der Kurzarbeit, kam dann doch die Kündigung und damit die Arbeitslosigkeit. Ich habe entschieden, das nicht als Schicksalsschlag zu nehmen, sondern das für mich Beste aus der mir geschenkten Zeit zu machen. Ich überarbeite meinen Roman, feile an meinem Onlineauftritt und plane die Veröffentlichung.

Die Zeit der Zurückhaltung ist vorbei. Ab jetzt werde ich jedem dem ich begegne von meiner Berufung erzählen, das ist eine Drohung!

Eine Krise kann schlimm sein und sicher hat es mich nicht am schlimmsten getroffen. Ich bin gesund, ich kann zum ersten Mal meiner Leidenschaft nachgehen, ohne schlechtes Gewissen oder ohne es als Prokrastinationswerkzeug zu verwenden.

Corona hat mir eine Chance gegeben und ich werde sie nutzen!

Habt ihr ähnlich Ehrfahrungen machen müssen? Wie seid ihr mit der Krise umgegangen?

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